Die alte Stadt auf dem Berge

“85 Jahre Ehrenbürger Karl Friedrich Hein”

KFHWo ich A gesagt habe, sage ich auch B bis Z!“   

              (Zitat aus einem Brief 1927 an seinen Bruder Otto)

 

 Einladung zur Sonderausstellung  „85. Jahre Ehrenbürger von Obermarsberg“  “Karl Friedrich Hein“  Freitag, den 17. April um 17:00 Uhr im Heimatmuseum der Stadt Marsberg in Obermarsberg.

Eine Würdigung des Lebens von Karl Friedrich Hein  Betrachtet man das Leben Karl Friedrich Heins auf der Grundlage seiner Biographie und aus der Sicht eines Obermarsbergers, dann stellt man eine gewisse Regelmäßigkeit fest, die gar nicht immer seinen Wünschen entsprach. Nach seiner Schulzeit als ein sehr guter Schüler, macht er eine Lehre, wechselt den Betrieb, bleibt aber der Büroarbeit im Steinkohlenbetrieb treu, macht Karriere, erhält Procura und wird schließlich einer von drei Geschäftsführern in der niederländischen Steinkohlenhandelsvereinigung, obwohl er in seiner Jugend von Abenteuern und Auslandsaufenthalten geträumt hat. Als er sich vom Geschäftsführerposten aus Gesundheitsgründen zurückzieht, nimmt er auf Bitten der Handelsvereinigung einen Platz im Aufsichtsrat ein. Fast ebenso regelmäßig wie sein Aufstieg läuft auch seine Lebensweise ab. Er ist ein Mann strenger Normen und Werte, so heißt es in seiner Biographie. Selbst sein Tageslauf ist geregelt und läuft immer gleich ab. Auch von daher kann man schließen, dass sein Werdegang bis hinauf zum Direktor durch seine korrekte und solide und rechtschaffene Arbeit bestimmt war. Schon in seiner Kindheit ist er ein begeisterter Sportler. Auch später spielt er weiterhin Tennis, empfängt gerade auf dem Sportplatz viele seiner Freunde und Bekannten. Er fährt gern in der Schweiz Ski, stürzt dabei sogar einmal in eine Gletscherspalte, kann aber dadurch, dass die Gefährten alle durch Seile verbunden sind, schnell gerettet werde. Den Erfolg eines Kuraufenthaltes misst er an der Qualität der Sportmöglichkeiten eines Urlaubsortes. Das Reiten ist seine Leidenschaft. Fast jeden Tag ist er unterwegs und führt oft Jagdausflüge an Im Rahmen seiner Möglichkeiten, und das wird immer wieder spürbar, führt er jedoch ein einfaches und bescheidenes Leben. So wie er sich seinem Beruf hingibt, kümmert er sich aber auch um seine Verwandtschaft, vor allem um seine Nichten und Neffen. Ihnen lässt er immer wieder Geldzuwendungen zukommen, die aber nicht unbedingt sehr üppig ausfallen. Auch mit ihrem Lebensstil ist er nicht immer einverstanden. Sei es nun die sehr freizügige Kleidungsweise der damaligen Zeit oder, wie er es sieht, unnütze Geldausgaben, er mischt sich ein, ob gefragt oder ungefragt. Sein Leitspruch auch hier: Menschen mit Geld lassen sich leicht zu Verschwendung, Geiz, Größenwahn und Hochmut verleiten. Doch sein Blick geht auch über die Arbeit und die Verwandtschaft hinaus. Er spürt und übernimmt Verantwortung für die Gemeinschaft. So wird er im Stammland seiner Eltern auch heute noch als Wohltäter von Marsberg gesehen. 1916 lässt er über seinen Bruder Otto den größten Teil des ehemaligen Klosters in Obermarsberg kaufen. Baut in der Nähe eine Mühle, damit die Bauern und die kleinen Leute mit ihren Handwagen nicht immer den mühevollen Weg ins Glindetal nehmen müssen. Als die Mühle aufgrund des Stromverbrauchs zu viel Verlust macht, wird Karl Friedrich vorgeschlagen, eine Jugendherberge daraus zu machen. Doch das lehnt er ab, weil damit zu viel Leute angezogen werden und es mit der Ruhe vorbei sei. Lieber will er die Mühle mit Verlust betreiben. Daneben spendet er den Kindern und Kranken der Stadt 500 Goldmark. Auch der Stadt lässt er Geld zukommen. Für den Bau einer Schützenhalle, die heute noch Bestand hat, spendet er 100.000 Reichsmark. Er tritt dabei als Geldgeber nie in den Vordergrund, hat jedoch im Hintergrund alle Fäden in der Hand und sein Einfluss reicht bis zur Bestimmung der Mitglieder des Schützenvorstandes. Von den Niederlanden aus legt Karl Friedrich seiner Familie nahe, sich auf der Einweihungsfeier ein wenig im Hintergrund zu halten, so dass der Schützenverein im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stehen kann. Wenn die Organisatoren ihm unbedingt danken wollen, solle sich das auf ein einfaches Dankwort beschränken. Die lokalen Autoritäten entscheiden jedoch anders. Der Stadtrat beschließt, ihm die Ehrenbürgerschaft zu verleihen. Ganz der Art von Karl Friedrich entsprechend findet dieser Akt im kleinen Kreis im Stift statt. Sein beträchtliches Vermögen brachte Karl Friedrich 1938 in eine Stiftung ein. Allein im Jahre 2011 nahm die Karl Friedrich Hein-Stiftung Auszahlungen (siehe Jahresbericht 2011)  von rund 2,5 Millionen Euro überwiegend im Bereich Utrecht vor. Davon wurden für den Denkmalschutz 102.000 €, Kultur und Volksentwicklung über 1 Million Euro, für gesellschaftliche und soziale Zwecke 203.000 Euro, für individuelle Anfragen 352.000 Euro und für die Bühnenkunst  540. 000 Euro ausgegeben, um einige Bereiche zu nennen. Von insgesamt 867 Anfragen wurden vom Stiftungsrat 581 bewilligt. Auch der Förderverein Historisches Obermarsberg hat mit  einer Hilfe von 20.000 € für die Restaurierung der Stadtmauer und des Wasserturms partizipiert. Die Schützenbruderschaft erhielt für Renovierungsarbeiten an der Schützenhalle in den Jahren 2008/09 ebenfalls 20.000 €. Einmal im Jahr tagt der Familien- und Stiftungsrat in Erinnerung an Karl Friedrich im Stift von Obermarsberg. Noch heute besteht eine enge Verbindung zwischen den Vereinen von Obermarsberg und der Stiftung, forciert durch den Großneffen von Karl Friedrich Hein, durch Sigurd Born. Er wirkt auch aktiv im Vorstand des Fördervereins Historisches Obermarsberg mit. Obermarsberg hat Karl Friedrich Hein viel zu verdanken. Das ehemalige Kloster, das Stift, wird in Schuss gehalten und es ist eine Augenweide, das Ensemble aus Gebäuden und Stiftskirche aus der Umgebung Marsbergs zu betrachten.l Die Schützenhalle wird weiterhin zum Höhepunkt Schützenfest, aber auch zu anderen Festivitäten genutzt und durch den Schützenverein auch mit Hilfe der Heinschen Stiftung gepflegt und instand gehalten. Die Pflege der historischen Gebäude wurde schon erwähnt. Die Verbindung Obermarsberg und Heinsche Stiftung ist gerade in den letzten Jahren wieder aufgelebt und das  muss auch mal hervorgehoben werden, ist ein Verdienst des Großneffen von Karl Friedrich, Sigurd Born. Er führt diese Arbeit ganz im Sinne und im Gedenken an seinen wohltätigen und auch weitsichtig denkenden Großonkel fort.