Die alte Stadt auf dem Berge

Klammheimlich nachts den Hals umgedreht

Gedenkstätte wird im Heimatmuseum der Stadt Marsberg eingerichtet

Hexenverfolgung001 ‚Dass die Gerichte im Namen des Rates von Stadtberge (Obermarsberg) einige Missetäter wegen Zauberei verbrennen ließen, können sie im Gewissen verantworten, da sie gestanden haben oder überführt werden konnten’, so heißt es in einer Rechtfertigung betreffs der Ausübung  der Kriminaljustiz gegenüber dem Kurfürsten in Köln.

In diesen Worten wird einmal deutlich, dass auch in Obermarsberg und wohl auch in der Altenstadt Hexen hingerichtet wurden, zum anderen beinhalten diese Worte unfassbare Grausamkeiten und eine menschenverachtende Brutalität, begründet in dem Glauben, dass Menschen, die angeblich mit dem Teufel einen Pakt geschlossen haben, keine Rücksicht und kein Mitleid verdienen. Denn wer der Zauberei beschuldigt wurde, wurde ins Gefängnis geworfen und, wenn er nicht bekannte, vom Richter der Tortur (Folter) unterzogen. Genau dieser Vorgang wird bei der Mutter des Josef Ehebracht zu Stadtberge im Jahre 1598 beschrieben. Als sie nicht in der Tortur bekannte, ließ man sie über Nacht wieder in das unterirdische Verließ hinab. In dem Buch ‚Beiträge zur Geschichte Marsbergs’ von Heinrich Klüppel und Dr. Hubert Schmidt heißt es dann weiter. Als dann am anderen Morgen die Stadtdiener ihr Speise bringen und durch die Öffnung hinunterreichen wollten, wurde sie nicht angenommen. Scharfrichter und Stadtdiener stiegen dann hinunter und stellten beim Schein einer Kerze fest, dass der Frau der Hals umgedreht war. Nachforschungen ergaben, dass der frühere Stadtdiener Heinrich Saur dazu angeleitet worden war, den der Zauberei angeklagten Weibern, wenn sie nicht bekennen wollten, heimlich den Hals umzudrehen, damit es den Anschein habe, der Teufel habe es getan. Als nun der Sohn Jost Ehebracht und der Ehemann beim Landdrost in Arnsberg Klage einreichen wollten, wurde es ihnen vom Magistrat aufs strengste und unter Androhung schwerer Strafe verboten. Weitere Informationen fehlen, da fast der gesamt Bestand des Archivs im 30-jährigen Krieg verbrannte.

Propst Hagemann berichtet in seinem Buch ‚Aus Marsbergs Geschichte’ von zwei Frauen von Stadtberge, die wegen Zauberei in Haft genommen wurden. Beide wurden torquieret (gefoltert). Die eine starb schon während der Folter, die andere hat in grausamer Tortur zunächst nicht bekannt, sondern erst hinterher. Sie ist am 11. Januar 1629 geköpft und dann verbrannt worden.

Weiter führt er auf: Am 3. November 1630 ist Reiniken Johann zum Stadtberge gestorben und postride auf dem Kirchhof gegraben. Welcher eine Zeitlang gefangen gewesen und wegen Zauberei hart torquieret , aber nichts bekannt.

 Ein sonderbarer Eintrag findet sich bei Zacharias Wahl im Index rerum memorabilium in einer Abschrift von Reinhard Brand vom 15.10. 1961: Zum Stattberg ist ein Hüttmacher gewesen, mit welchem es sich verhalten, als ob er vom Satan leiblich besessen, welchen die Sacrificuli (Opferpriester?) daselbst in die Kirche gefüret und ihre Kunst versucht, selbigen zu bannen, der Satan den Menschen aber also gequelet, dass er gleichsam von ihm erwürget ihnen unter den henden gestorben, in den pfingsttagen newen  Calenders.

Hexenprozesse hat es in katholischen wie in evangelischen Regionen gegeben. Es waren nicht kirchliche, sondern fürstliche oder kommunale Gerichte, die die Urteile sprachen. In Obermarsberg verurteilte der Stadtrichter im Namen des Magistrats die Verdächtigen. Der Schwerpunkt der Hexenprozesse spielte sich im 16. und 17. Jahrhundert ab. Bedingt durch eine Klimaveränderung fielen die Ernten schlechter aus. Viele Menschen hungerten, bekamen Krankheiten und suchten nach Gründen und Erklärungen. Schnell kamen da Gerüchte auf und Nachbarn oder auch Sonderlinge kamen in den Verdacht, Schuld an der Misere zu sein. Schon der Verdacht genügte, um jemanden der Hexerei zu beschuldigen, also mit dem Teufel im Bunde zu sein, und ihn der grausamen Tortur zu unterwerfen, aus der es in der Regel kein Entrinnen gab.

Das Heimatmuseums der Stadt Marsberg wird, eben auf der Grundlage der vorliegenden furchtbaren Geschehnisse auch in Stadtberge, im Museum eine Gedenkstätte Hexenbild IIfür alle Opfer der Hexenprozesse einrichten. Wir werden Ergebnisse der aktuellen Hexenforschung aufgreifen und darstellen. Hartmut Hegeler, evangelischer Pfarrer im Ruhestand, ist Experte auf dem Gebiet der Hexenverfolgung. Seine Literatur legen wir zugrunde. Von ihm haben wir auch eine CD erhalten mit all den Hexendarstellungen, die er in seinen Büchern verwendet, berichtet Hermann Runte.

 

 

 

Das Team des Heimatmuseums richtet die Geächtnisstätte ein:

v. l. Rainer Peuser, Franz Josef Dicke, Uli Boxberger, Hermann Runte

 

 

 

 

 

Das Team des Heimatmuseums richtet die Geächtnisstätte ein:

v. l. Rainer Peuser, Franz Josef Dicke, Uli Boxberger, Hermann Runte